Michael Streich

Strukturelle Performance-Erosion in Multi-Asset-Portfolios.

Performance-Verluste entstehen häufig nicht durch falsche Asset-Auswahl, sondern durch die Umsetzung in einem gestörten Marktumfeld. Besonders betroffen sind das Management von FX-Exposure, Rebalancing-Zeitpunkte sowie Entry- und Exit-Entscheidungen unter veränderten Volatilitäts- und Liquiditätsbedingungen.

Diese Effekte werden im Reporting selten isoliert sichtbar. Sie äußern sich eher als schleichende Performance-Erosion – wahrgenommen als „schwieriger Markt“ oder diffuse Dissonanz im Entscheidungsprozess.

Ökonomische Einordnung

Veränderungen im Marktumfeld wirken nicht nur über Preise, sondern über Struktur. Regimewechsel, Timeframe-Divergenzen oder Liquiditätsverschiebungen führen dazu, dass bestehende Positionierungen zeitlich oder strukturell nicht mehr vollständig mit dem aktuellen Marktumfeld übereinstimmen.

Die Folge sind Sickerkosten: keine singulären Fehler, sondern kumulative Effekte aus Fehlanpassung, Timing-Divergenz und Volatilitätsverschiebung.

In der Praxis können sich diese strukturellen Effekte – abhängig von Marktphase, Volatilitätsregime und Allokationsstruktur – in einer Größenordnung von etwa 1–3 % p.a. bewegen. Sie entstehen nicht als explizite Kostenposition, sondern als schleichende Performance-Erosion über mehrere Entscheidungszyklen.

Im Reporting werden diese Effekte selten isoliert sichtbar. Sie erscheinen häufig als „schwieriger Markt“ oder diffuse Dissonanz im Entscheidungsprozess.

Zentrale Wirkungsfelder

Implizite FX-Exposures

Internationale Allokationen enthalten neben dem zugrunde liegenden Asset-Risiko oftmals nicht explizit gesteuerte Währungsrisiken. Verändert sich das strategische oder taktische Marktumfeld, kann das Verhältnis zwischen Asset- und Währungsdynamik divergieren. Hedge-Quoten oder -Zeitpunkte wirken dann nicht neutral, sondern verstärken Volatilität oder reduzieren Opportunität.

Die ökonomische Wirkung liegt weniger in einzelnen Hedge-Entscheidungen als in der strukturellen Anpassungsgeschwindigkeit an Regimewechsel.

Rebalancing-Dynamiken

Rebalancing erfolgt häufig regelbasiert oder periodisch. In bestimmten Marktphasen werden diese systematischen Umschichtungen selbst Teil der Marktmechanik. Konzentrierter Orderflow, veränderte Liquidität oder asymmetrische Volatilität können dazu führen, dass Rebalancing nicht nur Risiko reduziert, sondern zusätzliche implizite Kosten erzeugt.

Die ökonomische Wirkung hängt daher nicht allein von der strategischen Zielallokation ab, sondern vom Zusammenspiel zwischen Marktphase, Liquiditätsstruktur und kollektiver Positionierung.

Entry- und Exit-Entscheidungen

Operative Timing-Entscheidungen stehen stets im Kontext übergeordneter Marktstruktur. Divergenzen zwischen strategischer Phase und kurzfristiger Dynamik können dazu führen, dass Positionen in Übergangsphasen aufgebaut oder reduziert werden, in denen Struktur und Volatilität nicht übereinstimmen.

Solche Entscheidungen erzeugen selten sichtbare Fehler, aber wiederkehrende Opportunitäts- oder Transaktionswirkungen – typische Sickerkosten.

Methodischer Rahmen

Market Structure

Analyse von Trend- und Übergangsphasen, strukturellen Brüchen, Liquiditätszonen sowie unterschiedlichen Volatilitätszuständen.

Multi Timeframe Analysis

Ziel ist nicht Prognose, sondern Kontextualisierung.

Anwendungslogik

Das Framework dient der strukturellen Einordnung von:

Es macht sichtbar, ob Positionierung und Marktphase konsistent sind oder strukturelle Divergenzen vorliegen. Es werden keine Handelsentscheidungen für Dritte getroffen.

Vita

Studium der Volkswirtschaftslehre. Mehr als 20 Jahre internationale Kapitalmarkterfahrung mit unmittelbarer Nähe zu Handels-, Risiko- und Entscheidungsprozessen in institutionellen Kontexten.

Aufbau einer Venture-Capital-Boutique sowie projektbezogene Tätigkeit im Family-Office-Umfeld.

Heute freiberuflich tätig mit Schwerpunkt Market Structure und Multi Timeframe Analysis.

Vertiefende Analyse

Die ökonomische Herleitung struktureller Performance-Erosion sowie die Einordnung institutioneller Rebalancing- und Marktstruktur-Effekte sind im folgenden Papier zusammengefasst:

Strukturelle Performance-Erosion in Multi-Asset-Portfolios

→ Download Whitepaper

Institutionelle Anwendung

In der Praxis beginnt die strukturelle Einordnung häufig mit einer kompakten diagnostischen Analyse (Workshop-Format), in der geprüft wird, ob und in welchem Umfang strukturelle Performance-Drifts ökonomisch relevant sein kann.

Kontakt

hallo@msworks.de